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Sängerin Carla Kaltenböck gewinnt Ö1 Jazzstipendium 2026

Die Jury hat gesprochen: Zum neunten Mal wurde 2026 das Ö1 Jazzstipendium ausgeschrieben, und die Gewinnerin heißt: Carla Kaltenböck. Die 23-jährige Sängerin kommt in den Genuss eines zweijährigen Studiums an der JAM MUSIC LAB Privatuniversität und einer CD-Produktion mit Quinton Records, dem ebenfalls in Wien beheimateten Label von Produzent Andreas Rathammer. Kaltenböck tritt damit die Nachfolge von Robert Unterköfler (2018), Lukas Aichinger (2019), Constanze Friedel (2020) Madeleine Kaindl (2021), Alan Bartuš (2022), Andreas Varady (2023), Nina Feldgrill (2024) und Thomas Quendler (2025) an, denen das Ö1 Jazzstipendium zuvor von der Jury zuerkannt wurde. Letztere wurde 2025 von drei auf sechs Personen aufgestockt, neben Gitarrist Wolfgang Muthspiel, US-Produzent Jeffrey Levenson und Ö1 Jazzredaktionsleiter Andreas Felber sind nun auch Elke Tschaikner (Leiterin der Ö1 Musikabteilung), Anke Fischer (Elbphilharmonie Hamburg) und Dietmar Petschl (ORF-Fernseh-Kultur) Teil des Gremiums.  JAM MUSIC LAB-Rektor Marcus Ratka überreichte Carla Kaltenböck die Jazzstipendien-Urkunde am Ö1 Jazztag, dem 30. April 2026, im Innsbrucker Treibhaus, im Rahmen der abendlichen Ö1 Konzert-Live-Übertragung.

Carla Kaltenböck, geboren am 8. Dezember 2002 in Baden bei Wien, ist in der österreichischen Bundeshauptstadt aufgewachsen, in einer kunstaffinen Familie: Die Mutter ist bildende Künstlerin, der Vater war in jungen Jahren selbst als Sänger aktiv und besitzt eine riesige Tonträger-Sammlung, in der Jazz eine prominente Rolle spielt. Kaltenböcks Leidenschaft für diese Musik entflammte früh: Sie nahm privaten Gesangsunterricht bei Jessica Slavik und Anna Anderluh, zudem Jazzsaxofonstunden bei Lukas Schiemer. Ab Herbst 2022 studierte sie Jazzgesang an der JJAM MUSIC LAB Privatuniversität in Wien, anfangs bei Chanda Rule, dann bei Maja Jaku. Parallel dazu sammelte sie in mehreren Bands Bühnenerfahrung, u. a. mit ihrem Jazzquartett Carla’s Cafe und dem Neo-Soul-Projekt Orange Orchid, mit dem sie im April 2025 die EP „Blooming Pulse“ veröffentlichte. 

„Ich fühle mich mit der Geschichte des Jazz, den Stilen und Gesangstechniken, die dahinter stehen, sehr verbunden. Ich liebe das Spiel mit der Stimme, den Klangfarben, der Aussprache der Worte, der Frage, in welchen Buchstaben man sich ‚reinlegt‘. Da gibt der Jazz viel Raum. Ich sehe mich mehr als Vokalistin denn als Sängerin“, so beschreibt Carla Kaltenböck im Gespräch mit dem Autor dieser Zeilen ihr künstlerisches Selbstverständnis. Als musikalische Leitbilder nennt sie US-Jazz-Granden wie Betty Carter und Kurt Elling, die britische Folk- und Soulsängerin Lianne La Havas und das australische Neo-Soul-Quartett Hiatus Kaiyote, vor allem dessen Sängerin und Gitarristin Nai Palm. Eine Inspirationsquelle ist für Kaltenböck auch die US-amerikanische Vokalistin Cécile McLorin Salvant, mit der sie die betont plastische Performance ihrer Songs verbindet. Carla Kaltenböck dazu: „Der Storytelling-Aspekt ist mir sehr wichtig, die Ausgangspunkte sind bei mir immer Gedichte oder Geschichten. Danach überlege ich, wie ich das in einem Song wiedergeben kann. Das Teatrale, Verspielte, manchmal auch Absurde gehört für mich dazu, um eine Geschichte zu erzählen – es reicht mir nicht, einfach nur die Worte wiederzugeben.“

Carla Kaltenböck hat Ausdauer bewiesen: Zweimal gelang es ihr im Rahmen ihrer Bewerbung für das Ö1 Jazzstipendium, ins Finale der besten sechs Bewerber:innen vorzustoßen, erst im dritten Anlauf aber war sie die Gewinnerin. Mit ihrer Performance im Rahmen der Audition im Studio 2 des RadioKulturhauses in Wien überzeugte sie die Jury mit mitreißenden, bildhaften Deklamationen von Songs aus eigener Feder – und mit der sehr gut eingespielten Band Carla’s Cafe, in der der Sängerin Pianist Tom Silver, Kontrabassistin Azin Seraj und Schlagzeuger Max Plattner zur Seite stehen. Kaltenböck im O-Ton: „Ich habe durch die vorangegangenen Bewerbungen viel gelernt, bin viel gewachsen in den letzten Jahren. Jetzt sind meine Kompositionen so weit gereift, dass ich bereit bin, sie auf einem Album zu veröffentlichen. Jetzt war der richtige Zeitpunkt!“

Nun kann Kaltenböck also ihr Studium am JAM MUSIC LAB kostenlos fortsetzen und sich weiteren Input holen. Das erste Album der Band Carla’s Cafe wird „Dream Archives“ heißen und soll in den kommenden Monaten erscheinen. Und damit schließt sich auch biografisch ein Kreis: War Carla’s Cafe doch auch der Name der letzten Band ihres Vaters, der sich dann aber entschied, mit dem Singen aufzuhören und stattdessen ein Software-Unternehmen gründete. Tochter Carla hat den Faden wieder aufgenommen und lässt nun, so scheint es, den Traum des Vaters in Bezug auf eine professionelle Gesangskarriere Wirklichkeit werden. Die Zeichen dafür stehen günstig!

Text: Andreas Felber, Leiter des Ö1 Ressorts Jazz, Popular- und Weltmusik

 

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Geschrieben am April 30th, 2026