Call for Contributions – 6th INARJ/1st SIG Conference Artistic Research in Jazz and Popular Music, November 12-14, 2026 (due June 30)
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Künstlerische Forschung (Artistic Research, AR) verbindet kreative Praxis mit kritischer Reflexion, um neues Wissen zu generieren – insbesondere im Jazz, in populärer Musik und Medienmusik, wo Technologie eine transformative Rolle spielt. AR versteht künstlerische Prozesse wie Improvisation, Komposition, Performance und Produktion als zentrale Orte der Erkenntnisgewinnung und untersucht, wie Werkzeuge – von physischen Interfaces bis hin zu künstlicher Intelligenz – klanglichen Ausdruck, kreative Arbeitsweisen und kulturelle Bedeutungen verändern. Im Jazz erweitert Technologie improvisatorische Traditionen; in der Popmusik beeinflusst sie Groove, Songwriting, Zugänglichkeit und Distribution; in der Medienmusik ermöglicht sie adaptive Kompositionen für Film, Games und interaktive Narrative.
Technologie kann nicht nur als Sammlung instrumenteller Werkzeuge verstanden werden, sondern auch als umfassendere „Weise des Entbergens“ (Heidegger 1977). Aufbauend darauf argumentieren Forscher:innen, dass soziale und kulturelle Praktiken als „Technologien des Selbst“ fungieren können, die Identität und kollektive Erfahrung prägen (Foucault 1988). Diese Konferenz untersucht das Kontinuum von handwerklichem Instrumentenbau bis hin zu KI-gestützter Co-Kreation und legt den Fokus auf Experimentieren in und durch künstlerische Praxis, reflektierende Dokumentation sowie interdisziplinäre Zusammenarbeit. Darüber hinaus werden politische und gesellschaftliche Fragestellungen rund um Ethik, Zugänglichkeit, Bildung und Chancengleichheit behandelt, während verkörperte künstlerische Praxis als rigorose Methode hervorgehoben wird, um Möglichkeiten und Grenzen technologischer Entwicklungen im zeitgenössischen Musikschaffen offenzulegen.
Beiträge sind eingeladen, sich mit einem oder mehreren der folgenden Themenfelder auseinanderzusetzen oder neue und alternative Forschungsansätze einzubringen:
1. Artificial Intelligence – Artistic Intelligence
Wie können AR-Methoden KI einsetzen, um mit künstlerischer Intelligenz zu kooperieren, sie zu fördern oder herauszufordern? Wie können AR-Methoden dazu beitragen, besser zu verstehen, was menschliche künstlerische Intelligenz von KI unterscheidet? Dieser Schwerpunkt lädt Beiträge ein, die sich mit der komplexen Beziehung zwischen künstlicher und künstlerischer Intelligenz beschäftigen.
2. Neue (und alte) Instrumente, Interfaces und verkörperte Performance-Technologien
Wie verändern physische und digitale Instrumente, Interfaces und verkörperte Performance-Technologien Erfahrungen und Konzepte von Körperlichkeit, klanglichem Ausdruck, kreativen Workflows und kulturellen Bedeutungen? Dieser Schwerpunkt lädt Beiträge ein, die die vielfältigen Möglichkeiten von Werkzeugen – von konzeptuellen Technologien und physischen Interfaces bis hin zu KI-Technologien – untersuchen.
3. Technologie in Improvisation, Komposition, Songwriting und Co-Kreation
Von technologischen Konzeptualisierungen kreativer Arbeit (Dell 2010) bis hin zu praktischen Anwendungen technologischer Werkzeuge in Improvisation, Komposition, Songwriting und kollaborativen Schaffensprozessen: Dieser Schwerpunkt lädt Beiträge ein, die die Wechselwirkungen zwischen konzeptuellen, physischen und digitalen Werkzeugen und kreativen Prozessen untersuchen.
4. Digitale Aufnahme-, Produktionstechnologien und Medienökosysteme
Wir laden Beiträge ein, die sich kritisch mit der sich rasant entwickelnden Landschaft digitaler Aufnahme- und Produktionstechnologien sowie zeitgenössischer Medienökosysteme auseinandersetzen und untersuchen, wie diese Werkzeuge künstlerische Autor:innenschaft, Klangästhetik und Distribution in musikalischer Praxis verändern. Künstlerische Forscher:innen sind eingeladen, praxisbasierte Untersuchungen, neue Methodologien oder theoretische Reflexionen darüber zu präsentieren, wie technologische Infrastrukturen kreative Prozesse, Hörkulturen und die Ökologie heutigen Musikschaffens beeinflussen.
5. Mensch-KI-Co-Kreation und generative Musiksysteme
Die Konferenz begrüßt künstlerische Forschung, die sich mit Mensch-KI-Kollaboration, Co-Kreation und dem künstlerischen Potenzial generativer Musiksysteme auseinandersetzt und Fragen nach Agency, Kreativität und Autor:innenschaft in musikalischen Partnerschaften zwischen Mensch und Maschine behandelt. Besonders erwünscht sind Einreichungen, die praxisgeleitete Experimente dokumentieren, neue künstlerische Arbeiten präsentieren oder ästhetische, ethische und philosophische Implikationen der Arbeit mit KI in der Musik kritisch reflektieren.
6. Auflösung von Genregrenzen
In den vergangenen Jahrzehnten sind reale oder angenommene Grenzen zwischen improvisationszentrierten Genres zunehmend verschwommen. Wie haben technologische Innovationen und die daraus resultierenden Veränderungen in der Anwendung und Integration technologischer Werkzeuge zu diesem Prozess beigetragen? Dieser Schwerpunkt lädt Beiträge ein, die Zusammenhänge zwischen technologischer Transformation und Genreverständnis untersuchen.
7. Innovative Pädagogiken
Die Berücksichtigung künstlerischer Forschung in der Pädagogik umfasst die Entwicklung neuer Lehrformate, Curricula und Mentoring-Ansätze. Künstlerische Forscher:innen und Lehrende sind eingeladen, experimentelle Methoden, Fallstudien oder theoretische Rahmenwerke zu teilen, die traditionelle Modelle hinterfragen und kritische, kreative sowie reflektierende Lernumgebungen fördern. Dieser Schwerpunkt lädt Beiträge zu innovativen Pädagogiken in Jazz- und Popularmusikpraktiken ein – sowohl innerhalb als auch außerhalb konventioneller Jazzprogramme – und über ein breites Spektrum an Ansätzen hinweg.
8. Kulturelle, ethische und gesellschaftliche Auswirkungen: Politik, Identität, Chancengleichheit und Medienrepräsentation
Dieser Schwerpunkt lädt Beiträge ein, die sich mit den kulturellen, ethischen und gesellschaftlichen Dimensionen technologischer Konzepte und Werkzeuge sowie deren Beziehung zu individuellen und kollektiven künstlerischen Praktiken beschäftigen.
Zur Einreichung senden Sie bitte bis zum 30. Juni 2026 eine Zusammenfassung Ihres geplanten Beitrags im Umfang von 250 Wörtern sowie eine kurze biografische Notiz von 50 Wörtern an: conference2026@jammusiclab.com. Die Einreichungen werden von den Veranstalter:innen begutachtet; die Benachrichtigung über die Auswahl erfolgt bis zum 31. Juli 2026. Beiträge sollen einer der folgenden Kategorien zugeordnet werden:
- Präsentationen: 20-minütiger Vortrag plus 10 Minuten Q&A und Diskussion
- Performance Projects: 20-minütige Projekte plus 10 Minuten Q&A und Diskussion
- Alternative Formate: maximal 60 Minuten inklusive Q&A und Diskussion
Während bestimmte Konferenzsessions hybrid angeboten werden, empfehlen wir eine persönliche Teilnahme vor Ort, um einen intensiveren Austausch und eine effektivere Zusammenarbeit zu ermöglichen.
Projekte können live oder über aufgezeichnetes Material präsentiert werden. Für Live-Performances steht ein grundlegendes Combo-Setup mit Keyboard, Bass- und Gitarrenverstärkern sowie Schlagzeug zur Verfügung. Probenzeiten und zusätzliche Proberäume können jedoch nicht angeboten werden. Präsentierende von Performance-Projekten organisieren ihre Mitmusiker:innen selbst.
Conference Committee:
- Sebastian Bailey (doctoral researcher, University of Toronto / Universität der Künste Berlin)
- Andrew Bain (Royal Welsh College of Music & Drama)
- Mike Fletcher (Royal Birmingham Conservatoire)
- Birgitta Flick (independent researcher)
- Monika Herzig (JAM MUSIC LAB Private University for Jazz and Popular Music Vienna) – Host
- Matthias Heyman (Koninklijk Conservatorium Brussel / Vrije Universiteit Brussel)
- Michael Kahr (JAM MUSIC LAB Private University for Jazz and Popular Music Vienna) – Host
Die SAR Special Interest Group Artistic Research in Jazz and Popular Music (gegründet 2026) baut auf den Aktivitäten des International Network for Artistic Research in Jazz (INARJ, gegründet 2019) auf und erweitert diese. INARJ wurde als Reaktion auf die wachsende Bedeutung künstlerischer Forschungsperspektiven innerhalb akademischer Diskurse der Jazz Studies initiiert. Die SIG wird weiterhin eine Plattform für Wissensaustausch und Vernetzung zwischen künstlerischen Forscher:innen weltweit bieten – durch regelmäßige Konferenzen, Projekte und Publikationen, darunter das peer-reviewte ARJAZZ Journal for Artistic Research in Jazz über die Research Catalogue Plattform.
Mit freundlicher Unterstützung durch die Stadt Wien Kultur
