Das Kunstmuseum im digitalen Zeitalter: Führung mit Eva Fischer
In ihrer achten Ausgabe untersucht die internationale Online-Konferenz die komplexen Wechselbeziehungen zwischen Wahrheit, falschen und verfälschten Informationen sowie Wissensautorität im Kontext digitaler Transformationsprozesse. Angesichts zunehmender Desinformation, KI-generierter Inhalte und algorithmischer Voreingenommenheit stehen Museen vor der Herausforderung, ihre Rolle als vertrauenswürdige Orte der Wissensvermittlung neu zu definieren. Gleichzeitig eröffnen digitale Technologien neue Möglichkeiten für Teilhabe, Kontextualisierung und Übersetzung. Eine Keynote, vier thematische Online-Sessions, ein Präsenzworkshop und eine Podiumsdiskussion beleuchteten aktuelle Entwicklungen, ethische Spannungsfelder und konkrete Praxisbeispiele. Im Zentrum der Konferenz stand die Frage, wie Museen digitale Verantwortung übernehmen und aktiv zu einer offenen und reflektierten Informationskultur beitragen können.
In der Führung mit Eva Fischer lernten unsere Studierenden, wie sich zentrale Konzepte der Quantenphysik in künstlerische Formen übersetzen lassen. Anhand des Doppelspaltexperiments, von Schrödingers Katze sowie der Ideen von Superposition und Verschränkung wurden wissenschaftliche Grundlagen anschaulich vermittelt. Exponate, die ihre Farbe je nach Blickwinkel veränderten, machten den Einfluss der Perspektive unmittelbar erfahrbar. Ein Spiegelobjekt, in dem die Gesichter zweier gegenüberstehender Personen visuell miteinander verschmolzen, regte dazu an, Wahrnehmung und Identität neu zu denken. Ein kooperatives Videospiel, in dem zwei Teilnehmende Rücken an Rücken Hindernisse überwanden und schließlich durch ein schwarzes Loch wieder zusammenfanden, übersetzte abstrakte physikalische Vorstellungen in ein spielerisches Erlebnis. Ergänzt wurde dies durch die Auseinandersetzung mit einer Atomuhr, die in Afrika in einer Zeitkapsel versiegelt wurde, sowie durch einen Animationsfilm, dessen offene Deutung die Reflexionsfähigkeit der Studierenden herausforderte. Insgesamt erlebten sie, wie interaktive und multisensorische Formate den Zugang zu naturwissenschaftlichen Themen erleichtern und Neugier wecken können.
Im anschließenden Panel rückte die Frage nach Herkunft, Auswahl und Validierung digitaler Informationen in den Mittelpunkt. Unsere Studierenden erkannten, dass sich der museologische Fokus zunehmend von der Betrachtung einzelner Objekte hin zur kritischen Auseinandersetzung mit Quellen verlagert. Nachvollziehbarkeit wurde dabei zur Leitkategorie: Es muss transparent sein, wer entscheidet, welche Daten Künstlichen Intelligenzen zugänglich gemacht werden und welche bewusst ausgeschlossen bleiben. Nicht die Simulation einer Aura steht im Vordergrund, sondern das Sichtbarmachen von Quellenketten. Dafür braucht es dokumentierte Auswahlentscheidungen, transparente Differenzierungen und ein zielgruppengerechtes Framing, insbesondere für weniger geübte Nutzerinnen und Nutzer. Künstliche Intelligenz wurde als analytisches Medium diskutiert, das institutionelles Wissen strukturieren kann. Zugleich wuchs das Bewusstsein dafür, Zugriffe, Annahmen und Grenzen offen zu legen, gerade im Hinblick auf dynamische, online zugängliche Sammlungen.
Praxisnahe Einblicke in den KI-Einsatz im Kulturbereich vertieften diese Perspektive. Am Beispiel der KI-gestützten Rekonstruktion zerstörter Werke Gustav Klimts erkannten unsere Studierenden, dass solche Ergebnisse als fachlich begleitete Annäherungen zu verstehen sind, die Debatten eröffnen, ohne einen Anspruch auf endgültige Wahrheit zu erheben. Ebenso wurde deutlich, wie wichtig saubere und konsistente Metadaten für digitale Sammlungen und Anwendungen sind. Die Arbeit an der Künstlerhaus Experience App zeigte, dass kuratierte Inhalte künftig zunehmend von Systemen ausgewertet werden, die Relationen und Kontexte lesen. Solche Agenten basieren auf klaren kuratorischen Entscheidungen, die dokumentiert und überprüfbar sein müssen.
Aus den Erfahrungen der Konferenz leiteten unsere Studierenden zwei zentrale Einsichten ab. Erstens werden komplexe wissenschaftliche Inhalte besonders zugänglich, wenn sie über Interaktion, Perspektivwechsel und gemeinsames Erleben erschlossen werden. Zweitens ist das Museum im digitalen Zeitalter nicht nur Ausstellungsraum, sondern auch ein infrastruktureller Akteur im Wissensökosystem. Es kuratiert Daten, legt Quellenwege offen und setzt Künstliche Intelligenz methodisch kontrolliert ein. Damit wächst auch die Bedeutung von Nutzerkompetenzen: Medien-, Quellen- und Orientierungswissen entwickeln sich zu Schlüsselqualifikationen, deren Förderung Museen und Universitäten gemeinsam voranbringen müssen.
So zeigt sich das Kunstmuseum im digitalen Zeitalter aus Sicht unserer Studierenden zugleich als Labor und Lernraum. Es verbindet ästhetische Erfahrung mit methodischer Strenge, macht Herkunft und Geltung von Wissen transparent und nutzt KI dort, wo sie Analyse ermöglicht, statt Aura zu imitieren. In diesem Zusammenspiel entsteht ein offener, reflektierter Dialog zwischen Kunst, Wissenschaft und Öffentlichkeit, der sowohl fundiert als auch zukunftsorientiert ist.
Text: Maximilian-Friedrich Wimazal